2014-11-25

POETRY SLAM BÜCHER: NOVEMBERAUSGABE

Ich bin heute nach Hause gekommen und hatte keine Lust mehr auf's Tippen. Also habe ich mir meine mittelgute Kamera geschnappt und stelle euch die Bücher, die noch auf meinem Wohnzimmertisch auf's Verbloggen warteten, einfach in Bewegtbild vor. Und ja: Der Bildausschnitt wird beim nächsten Mal besser. Die Beleuchtung vielleicht auch. Aber: Übung macht die Meisterin und ich wollte ja nicht für den Oscar nominiert werden. Noch nicht.



Das sind die vorgestellten Bücher auf einen Blick:

2014-11-23

WEEKLY LAGRANDE

Clueso Street Gig in der Galerie Herrenhausen.
Das war super!
Diese Woche habe ich mich besonders auf das Wochenende gefreut! Viele Auftritte an den Abenden haben meine Schlafenszeit ziemlich verkürzt, das musste heute erst einmal nachgeholt werden. Außerdem habe ich innerhalb von wenigen Stunden "Verficktes Herz" von Nora Gantenbrink durchgelesen, weil es so gut war, dass ich nicht aufhören konnte. Und, hier bitte Fanfaren einfügen, ich habe jetzt über 1.000 Likes auf meiner Facebook-Seite! Super cool!

Zu diesem Anlass hatte ich versprochen, zwei meiner Bücher zu verlosen. Wenn ihr also noch keines habt oder das Buch gerne zu Weihnachten verschenken wollt, kommentiert fleißig bis zum 28.11.2014  unter diesem Blogpost mit einer gültigen E-Mail-Adresse. Danach werde ich unter allen Kommentaren auslosen und den Gewinner_innen die Bücher zuschicken. Der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen. Eure Daten benutze ich selbstverständlich nur im Rahmen des Gewinnspiels.
Achtung: Ich habe jetzt Disqus als Kommentarfunktion eingefügt - ihr müsst euch also erst dort oder mit einem eurer Social-Media-Accounts anmelden, um zu kommentieren. Wer das nicht möchte, kann gerne auch auf Facebook einen Kommentar hinterlassen, ich werde diese in die Verlosung einbeziehen.


Am Dienstag musste ich mich dann doch noch zur Toleranzwoche der ARD äußern und habe einen Text verbloggt, der mir sehr am Herzen lag. Dazu haben mich viele positive Kommentare und Tweets erreicht - vielen Dank dafür!

Am Donnerstag habe ich ein Interview mit Mitch Miller verbloggt. Er ist zu Fuß in die Türkei gelaufen und hat nun ein Buch darüber geschrieben! Sehr spannender Typ mit einer interessanten Geschichte!

Donnerstag Abend war ich dann im Logensaal der Hamburger Kammerspiele und habe aus meinem Buch vorgelesen. Das war schön! Besucht die Lesebühne vom Schriftstehler gerne öfter, es ist immer toll. Freitag durfte ich dann für die Stadt Hannover ein paar Texte über Wohnen, Mobilität und Versorgung in einer Ausstellung anlässlich "Mein Hannover 2030" vortragen. Abschließend saß ich noch in einer kurzen Diskussionsrunde mit unserem Oberbürgermeister und habe ihm gleich mal verklickert, dass wir bitte Sozialwohnungen und Barrierefreiheit bei all den Neuerungen nicht vergessen.

Und so sah ich diese Woche aus! Mein Lieblingsoutfit ist das von heute, Sonntag. Der Freitag musste diese Woche mal ausfallen, da saß ich viel zu früh und viel zu müde im Zug, um mein komplettes Outfit zu fotografieren. (Hier könnt ihr mir auf Instagram folgen.)


2014-11-20

MITCH MILLER: 90 TAGE FREIHEIT [REISETAGEBUCH]

Mitch Miller ist ein Slam- und Autorenkollege von mir aus Osnabrück. Aber das ist nicht alles: Was der Mann vor allem macht, ist Reisen und zwar durch die ganze Welt. Gefühlt war er schon überall: Chile, Alaska, Namibia, Skandinavien... Zuletzt ist er zu Fuß in die Türkei gelaufen, gemeinsam mit seinem sehr süßen Hund Bella. Darüber hat er ein Buch geschrieben, das jetzt erscheint und am 26. November Premiere in Osnabrück feiert. Eine Leseprobe findet ihr hier. Das Buch gibt's direkt beim Verlag oder beim Buchhandel eures Vertrauens.

Zu diesem Anlass habe ich ihn mir mal geschnappt und ihm ein paar Fragen gestellt.

Hej Mitch, in wenigen Tagen erscheint dein Buch „90 Tage Freiheit“ – erzähl mir doch kurz, worum es darin geht und weshalb du es geschrieben hast.

Hallo Ninia, erstmal danke, das ich hier ein paar Takte über mein Buch erzählen darf. Du musst wissen, ich wandere für mein Leben gern. Nun denken jetzt einige an dieses langweilige, in Jack-Wolfskin-Jacken gehüllt durch die Gegend laufen. Ne, das ist nicht so mein Ding. Ich stelle mich gerne großen Herausforderungen. So auch 2013. Da bin ich mit meinem Husky Bella von Osnabrück ins türkische Canakkale gelaufen. 90 Tage hat die Reise gedauert und genau von diesem Abenteuer handelt mein Buch. Tag für Tag, Kapitel für Kapitel nehme ich die Leser_innen mit auf diese Reise. Und darum ging es mir auch beim Schreiben des Buches: Ich wollte den Leser_innen einen komplett echten Eindruck von so einem Abenteuer vermitteln. Ich beschreibe die unendliche Einsamkeit aber auch die Erfahrungen des puren Glückes. Solche Reisen haben oft zwei Seiten- und beide versuche ich den Leser_innen näher zu bringen.  Es gibt viele Menschen, die das, was ich mache, aus Zeitgründen nicht hinbekommen. Für diese Menschen schreibe ich das Erlebte dann auf, früher viel in Kolumnen und nun auch endlich in Form eines Buches.

Du bist also zu Fuß in die Türkei gelaufen – 3.000 Kilometer! Ich kriege ja schon schlechte Laune, wenn ich mal länger als drei Kilometer laufen muss. Wie hast du dich immer wieder motiviert, weiter zu laufen?


Das ist wohl die Frage aller Fragen. Es gibt ein Kapitel in meinem Buch, in dem ich mir genau diese Frage stelle. Die magische Formal ist: Immer kleine Aufgaben setzten, nicht das endgültige Ziel in den Vordergrund stellen. In den Alpen zum Beispiel. Da habe ich mir immer bestimme Berggipfel als Punkt gesetzt, die ich in ein oder zwei Tagen erreichen wollte. Das Ziel darf nicht zu fern sein, es muss in kleinen Etappen erreichbar sein. So behält man gute Laune und hat jeden Tag sein kleines Erfolgserlebnis. Denn genau das ist die Kunst: Die Laune immer auf einem Level zu halten, das man Freude empfindet. Tagelanger Regen, aufgeplatzte Zehen und eiternde Wunden können das ganz schnell ganz schwierig machen. Aber wenn man dran glaubt und jeden Tag kleine „Aufgaben“ erfüllt - dann fällt es einem leichter, dem tagelangen Regen mit einem Grinsen zu antworten.


Angenommen, ich komme jetzt auch auf die Idee, einfach loszugehen. Welche drei Sachen würdest du mir auf jeden Fall in den Rucksack packen?

1. Buch ( man hat Zeit ohne Ende)
2. GPS Gerät/ Kompass
3. Blasenpflaster und Wundcreme

Du hast mir erzählt, dass du viele spannende Menschen kennengelernt hast – welches war die für dich beeindruckteste Begegnung?

Ich habe mitten in der Pampa von Oberbayern eine Frau getroffen, die mir auf einem Rollator entgegen kam. Das war so abgefahren, denn wenn ich von Pampa rede, dann meine ich Pampa. Ich bin zu diesem Zeitpunkt schon bestimmt acht Kilometer durch Felder und Wiesen gelaufen und dann stand plötzlich diese alte, zerbrechlich wirkende Frau mit ihrer Gehhilfe am Wegrand. Sie sprach mich mit unerwartet fester Stimme an und sofort war mir klar: Mitch, das ist mal ein Charakter. Das ist so ein Mensch, vom dem kannst du lernen, indem du einfach zuhörst. Und ich hörte ihr zu.  Als sie mir, beiläufig, erzähle, sie wäre irgendwas mit 100 Jahre alt, da schoss sie den Vogel komplett ab. Ich lauschte der Frau gespannt wie ein kleiner Junge, der bei seinem Opa auf dem Schoß sitzt und mit großen Augen dessen Geschichten lauscht. Denn mit jedem Wort, das sie sprach, wuchs meine Ehrfurcht. Es war für mich ein berührendes Erlebnis, eine großartige Erfahrung. Solche Menschen kennen zu lernen - deswegen reise ich kreuz und quer über unseren wundervollen Planeten.

Und jetzt? Willst du bald wieder loslaufen oder bleibst du erstmal ein bisschen in Osnabrück?


Ich wohne mittlerweile in Hamburg, zusammen mit meiner Freundin und unseren beiden Hunden. Das nächste halbe Jahr bin ich, sagen wir, ein wenig sesshafter. Wobei das auch nicht ganz stimmt, da ich ab Januar bis Mai auf Tour bin mit meinem Buch und einer Dia Show der Reise. Ende Mai werde ich dann wieder meine Wanderstiefel schnüren und von Hamburg zum Nordkap in Norwegen laufen. Wenn das durch ist, fliege ich Endes des Jahres noch mal nach Mexiko/ Kuba. In Mexiko möchte ich für ein paar Wochen im Dschungel leben und diesen ohne wirkliches Ziel durchwandern. Einfach, um die Stille und die Schönheit der Wildnis zu genießen. Und auf Kuba werde ich dann zusammen mit meiner Freundin einfach mal die Seele baumeln lassen - denn auch wenn ich oft an die exotischen Orte der Welt reise; Ruhe und Entspannung habe ich nur sehr selten!

Hier könnt ihr euch noch ein Interview mit Mitch im NDR anschauen.

2014-11-18

SO VIEL LIEBE. ODER: GEH BITTE.

Irgendwie kribbelte es dann doch unter meinen Fingern und ich konnte zur Toleranzwoche der ARD nicht ganz untätig bleiben. Weitere gute Artikel und Statements findet ihr hier:

"Gleiche Sauce, andere Verpackung: Toleranzwochen in der ARD"
"Spiel ohne Reflexion"
"Toleranz ist scheiße" 
"Gut gemeint, schlecht gemacht" 
"Zwischen gut gemeint und gut gemacht"
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Die ARD macht aktuell eine „Toleranzwoche“. Anlässlich dieser Veranstaltung haben alle Verantwortlichen ungefähr alles falsch gemacht.

Fangen wir bei dem Namen an: Toleranzwoche. Im Ernst?! Laut Duden bedeutet „tolerieren“, dass ich etwas „dulde“ oder „zulasse“. Ich stelle mir vor, wie die Toleranz auf einem eisernen Thron sitzt und bei jedem, der vor sie tritt ihren langen Stab schwingt. Dazu spricht sie: „Ja, du bist ok. Ich dulde dich!“ Oder eben auch: „Nein, du bist nicht ok. Bitte geh weg.“ Wenn ich entscheiden darf, ob ich etwas dulde, bin ich dadurch automatisch in einer erhöhten Position. Ich bin besser als die, die ich toleriere. Ich darf bestimmen, wer ok ist und wer nicht. Und ja, das ist genauso eklig, wie es sich anhört. Toleranz hat nichts mit Respekt oder Liebe zu tun, sondern ist eine althergebrachte Tradition für all die Sarrazins und „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“-Marktschreier_innen unter uns. Toleranz ist das Vorgaukeln von Freundlichkeit.

Dann gestaltet irgendeine döspaddelige Agentur die Plakate zur Themenwoche. Und was passiert da im Brainstorming? Ein vollgekokster Agenturchef springt ein bisschen herum und ruft: „Hier, Toleranz und so! Anderssein! Was habt ihr für Ideen?“ Und alle drucksen herum und sagen höchstens: „Och… also.“ Einem fällt irgendwas mit Vegetariern ein.
„Nee, nee, krasser. Jetzt mal alle political correctness beiseite. Was nervt euch so richtig? Wann fragt ihr euch: Muss ich das eigentlich noch ertragen?“ Alle starren in die Luft. Als einer endlich: „Kinder!“ ruft, platzt der Knoten. „Genau, nervige Kinder!“ ruft der nächste. „Oh, ich hasse Kinder. Die sind ja überall! Die brauchen wir nicht mehr!“ „Gut, sehr gut!“, brüllt der Agenturchef und schreibt mit Edding groß KINDER an das Flipchart. „Weiter! Mehr! Schlimmer!“ „Schwule! Wenn die sich küssen, also das muss doch nicht sein! Im Ernst, ich hab ja auch schwule Freunde und die sind auch voll nett. Aber die müssen das ja nicht so nach außen tragen.“ „Ok, sehr gut!“ Der Chef schreibt HOMOS an das Flipchart. Da meldet sich ein anderer: „Also, Homos würde ich jetzt nicht sagen. Wenn zwei Frauen sich küssen, ist das ja schon erotisch.“ Alle nicken und stimmen zu. Der Chef streicht Homos durch und schreibt SCHWULE an das Flipchart. Die Farbe des Eddings hat vor lauter Aufregung schon an seine Finger abgefärbt.

„Ach hier, ich weiß noch was“, ruft der nächste Kollege. Alle schauen ihn gespannt an. „Ist jetzt so in, dies mit der Inklusion. Und mich nervt dass total. An der Schule meiner Tochter sollen jetzt auch Behinderte ganz normal mit in den Unterricht eingebunden werden. Das geht mir manchmal echt zu weit. Dann müssen die normalen Schüler da total Rücksicht nehmen und so. Das ist doch kacke.“ Der Chef zweifelt kurz: „Meinst du echt, das können wir bringen? Also bei Behinderten sind die Medien jetzt schon ziemlich tolerant und so. Die kommen gut an, weil sie alles trotz ihrer Behinderung machen und so weiter. Vorbildfunktion, weißte?!“ „Ja, aber frag die Eltern bei uns an der Schule, das geht denen zu weit!“ Der Chef nickt langsam: „Ok, gut, das stimmt schon. Kostet ja auch alles und so. Also da muss man sich schon überlegen, ob man das tolerieren kann.“ Er dreht sich um und schreibt BEHINDERTE an das Flipchart. Dann lacht er plötzlich laut los. „Hahaha, kennt ihr den: ‚Papa, wieso darf ich keine Witze mehr über Behinderte machen? – Weil wir ohne die Behinderten keinen Parkplatz mehr kriegen würden, mein Schatz.‘ Hahahaha, mega gut!“ Er steht vorne und lacht sich scheckig. Die anderen stimmen langsam mit ein und lächeln höflich mit.
„Ok, eine Gruppe brauchen wir noch.“ „Mensch!“ ruft der Kollege aus der Grafik. „Dass ich da noch nicht drauf gekommen bin: Ausländer!“ „Ausländer!!!“ rufen alle im Chor. Der Chef sagt: „Natürlich!“ Und schreibt AUSLÄNDER am allergrößten und dicksten auf das Flipchart.
Dann wird das Ganze zu den Textern gegeben, die klatschen ein paar platte Attitüden drüber und fertig ist die armselige Plakatreihe.

Jetzt müssen aber auch die Mitarbeiter_innen der ARD zeigen, wie crazy anders sie sind. Damit Otto-Normal-Zuschauer_in auch merkt, dass ja quasi überhaupt niemand mehr normal ist! Alle haben Dinge an sich, die von anderen toleriert werden müssen. Und deshalb stellen sie sich vor eine Kamera und halten Schilder mit ihren zu tolerierenden Eigenschaften in die Höhe. Dazu näselt Jan Delay im Hintergrund: „Soooo viel Liebe!“ Es ist eine nicht wirklich hintergründige Botschaft, die da vermittelt werden soll.
Und dann stehen da Menschen und offenbaren so krasse Aussagen, wie „Ich mache keinen Sport“, „Ich mag Pommes Schranke“, „Ich schreibe Liebesbriefe“ und, Achtung, „Ich trage Größe 40!!!“ DREI AUSRUFEZEICHEN! Das sind krasse Schicksale. Das sind naturgegebene Probleme, ein Anderssein, dass einen quasi direkt an den Rand der Gesellschaft rückt. Kaum zu ertragen. Ich zerfließe vor Mitleid. Und im Hintergrund: „Ich hab soooo viel Liiiiiebe!“

Als sich später eine nicht geringe Zahl an Menschen öffentlich über die Plakate und die Aktion an sich mokiert, reibt sich die ARD die Hände. „Ja, das wollten wir ja so!“ ruft der Sprecher und freut sich, dass die Zuschauer_innen jetzt mal nachdenken. Und bei Facebook kommentieren einsame, weiße, nicht-behinderte Deutschländer: „Die treffen unsere Denke. Das ist doch gut, so denken wir jetzt mal nach.“ Ich möchte mich hiermit ausdrücklich von „unsere Denke“ und „wir“ distanzieren. Ich glaube, die einzigen, die hier überhaupt nachdenken, sind die, die sich mit den abgebildeten Personen auf den Plakaten identifizieren können und für die es wie ein Schlag ins Gesicht wirken muss, wenn ihnen entgegen geschrien wird, dass man sich diese Woche in der ARD einfach mal locker-flockig fragt, ob sie ob ihrer Behinderung ein „Freund“ oder „Außenseiter“ sind oder ob sie, weil ihre Hautfarbe die andere ist „Belastung“ oder „Bereicherung“ sind.

Eine der größten Belastungen, die "wir" aktuell ertragen müssen, sind Programmmacher_innen, die Menschen wie Matussek Sendezeit bei der Toleranzwoche einräumen. Menschen, die im Rahmen eben dieser ein Schild mit „Ich habe nicht studiert“ in die Kamera halten und damit immer noch den allgemeinen Glauben aufrecht erhalten, dass dies ein zu tolerierendes Makel sei. Und alle, die glauben, dass eine Toleranzwoche in der Form ernsthaft dazu beitragen kann, Barrieren im Kopf all dieser Volldeppen abzubauen.