2013-01-24

"BÖSES MÄDCHEN."

[Triggerwarnung: Beschreibung von Belästigung]

In der Geschichte um Rainer Brüderle geht es nicht um Rainer Brüderle. Für die Moral von der Geschicht' ist es völlig irrelevant, ob und was Rainer Brüderle zu der Journalistin gesagt hat. Es geht darum, dass nach der Veröffentlichung die Frau an den Pranger gestellt wird, weil sie sich erdreistet, so etwas zu behaupten. So eine Gemeinheit über einen verheirateten, gestandenen Mann zu verbreiten. Und das erst jetzt. Dabei ist das doch schon vor einem Jahr passiert. Und warum stellt sich Madame überhaupt so an? Das kann man(n) doch auch als Kompliment sehen. Liebe Politiker, die ihr alle Herrn Brüderle so brüderlich zur Seite gesprungen seid, ich verrate euch mal was: Das Vergnügen mit solchen "Komplimenten" haben Frauen nicht nur einmal im Jahr und nicht nur mit alten, einsamen Männern. Sexismus passiert jeden Tag. Überall. Und in jeder Gesellschaftsschicht. 

In der Geschichte um Rainer Brüderle geht es nicht um Rainer Brüderle. Es geht darum, dass ich jedes Mal, wenn ich abends/nachts nach Hause komme, meine Mutter anrufe, wenn ich den dunklen Weg zur Haustür gehen muss, weil ich mir einbilde, dass mir dann nichts passieren könnte. Es geht darum, dass ich im Zug meine Sitznachbarn sofort abchecke und versuche in eine Art Gefahrensystem einzuordnen. Das ist absolut oberflächlich und bescheuert. Aber ich mache es trotzdem. Ganz automatisch. Es geht darum, dass ich keine einzige Frau kenne, die nicht ein mulmiges Gefühl hat, wenn sie nachts im Dunklen allein irgendwo langgeht. Ruhepuls hat heute einen wirklich guten Artikel veröffentlicht, der mich dazu gebracht hat, auch etwas zu dem Thema schreiben zu wollen. Kaum ein Mann in meinem Umfeld kann sich vorstellen, was ich oder andere Frauen tagtäglich erleben müssen.

Situation eins: Diese Situation ist schon fast zwanzig Jahre her. Ich war also noch sehr jung und fuhr vom Balletttraining nach Hause. In einer vollen Straßenbahn, es ist hell draußen, eigentlich ist alles gut. Ich muss aussteigen und stelle mich an die Tür. Damit ich nicht stolpere, halte ich mich an der Haltestange fest. Damit der Mann neben mir nicht umfällt, hält er sich auch an der Haltestange fest. Mit seiner Hand über meiner. In Panik reiße ich meine Hand unter seiner hervor und laufe sehr, sehr schnell nach Hause. Das war so ekelhaft, dass ich diese Geschichte bis jetzt nur einer Person erzählt habe. 

Situation zwei: Ich fahre, mal wieder, Straßenbahn. Diesmal in Bremen. Die Straßenbahn bremst scharf. Der alte Mann vor mir fällt fast um und stützt sich wie zufällig an meinen Brüsten ab. Und ich bin auch noch so nett, dass ich mir Sorgen um ihn mache und ihn wieder hinstelle. Erst im Nachhinein ist mir aufgefallen, wie unangenehm das war.

Situation drei: In Göttingen musste ich eine Weile lang morgens um 3 Uhr zur Arbeit gehen. Ich habe Umfragen in Bussen und Zügen gemacht. Züge starten früh und deshalb dieser Arbeitsbeginn. An einem Morgen kam mir ein vermutlich obdachloser Mann mit Fahrrad entgegen. Er starrte mich an, ging an mir vorbei, blieb stehen und ging mir hinterher. Ich habe nach meinem Handy gegriffen und so getan, als würde ich einen Kumpel anrufen. Dann habe ich ganz laut von meinem Kickbox-Training berichtet. Das klingt komplett albern, aber es war in dieser Situation das einzige, was mir geholfen hat, Mut zu behalten.

Das sind nur drei wirklich schlimme Situationen gewesen. Alltägliche Sexismen passieren mir fast jeden Tag und werden gerne unter dem vermeintlichen Humormantel versteckt. Vor einiger Zeit saß ich in einem Seminar mit vielen verschiedenen Menschen. Ich stellte eine Frage, niemand konnte sie beantworten. Ich sagte etwas wie "Na, da hab ich jetzt aber was gefragt" und der deutlich ältere Mann neben mir grinste und sagte leise zu mir: "Böses Mädchen." Ich bin 29 Jahre alt. Und ich trug keine Lederklamotten. Ich habe nicht groß drauf reagiert, weil ich nicht für Aufmerksamkeit sorgen wollte. Aber fuck ey, wieso denn eigentlich nicht?!

Ich trage gern kurze Kleider, Röcke und Shirts mit Ausschnitt. Ich fühle mich wohl, wenn mich jemand kurz oder bewundernd anschaut. Das Wohlfühlen hört auf, wenn Menschen das als Einladung zum Starren oder gar Reden aufnehmen. Ich weiß, dass ich gute, große Brüste habe und ich möchte nicht darüber sprechen. Zumindest nicht mit dir.

Nun sind natürlich nicht alle Männer Täter. Und genau hier kommt das Problem. Ein Freund schrieb mir heute, er käme sich oft vor wie ein "Pro-Forma-Täter". Er sei ein Mann und deshalb eine Gefahr. Er wisse nicht, wie er sich beispielsweise benehmen solle, wenn er abends zufällig hinter einer Frau eine Straße langgehen müsse. Alle Tipps für solche Situationen lassen sich ganz gut in einem Satz zusammenfassen: Don't be an idiot. Wechsele die Straßenseite. Geh nicht plötzlich schneller. Das mit dem Kein-Idiot-sein gilt auch für alle anderen Situationen. Laber keinen Blödsinn. Sprich mich nicht an, wenn ich dich weder angucke, noch irgendwie sonst Interesse signalisiere. Und ja, das ist egoistisch von mir. Aber es ist auch egoistisch zu denken, Frauen könne man(n) einfach so anquatschen, wenn man(n) sie gut findet. Und fühl dich bitte nicht sofort vorverurteilt, wenn ich mich umgucke, mich umsetze, plötzlich woanders hingehe. Da hat nichts mit dir als Individuum zu tun. Das hat mit meinem Erfahrungsschatz und meiner Erziehung zu tun. "Halt dich ja vom Wolf fern und bleib immer auf dem Weg" - das lernen Mädchen von klein auf. Leider nicht ohne Grund. 

Und deshalb geht es in der Geschichte um Rainer Brüderle nicht um Rainer Brüderle. Sondern um diese ekelhaft gespielte Überraschung aller beteiligten Politiker und Medien, dass es nicht nur in dieser wilden, verrückten Piratenpartei Sexisten gibt, sondern überall. Und um dieses ekelhafte, immer wieder Wiederholen von Steinzeit-Sprüchen und -Ansichten, die hilflose, alte Männer in Schutz nehmen und die Frauen generell unterstellen, ihr Frau-Sein auszunutzen. Geht nach Hause, eure Zeit ist hoffentlich bald vorbei.

Edit: Unter dem Hashtag #aufschrei teilen Frauen und Männer alltägliche Sexismus-Erfahrungen. [Leider sind auch Femtrolls und Spammer darunter]

Hier werden alle Tweets gesammelt.

Edit II: Folgende Links sind außerdem interessant.

- Zum Thema "Pro-Forma-Täter": Wie verhalte ich mich möglichst nicht wie ein Arsch?
- antiprodukt überlegt, wie es nach dem #aufschrei weitergeht und welche Handlungsoptionen wir haben: #Aufschrei und dann Stille?
- Carolin Neumann über #aufschrei: Und jetzt wieder zurück zum Thema!
- Die feemgeeks zu #aufschrei: Wie #aufschrei -en?  
- Die Mutti zu #aufschrei: Zwischen Arschklaps und #Aufschrei - Sexismus und Kram. Ein Meinungsbild. 
- Frau Dingens hat keine Worte mehr
- nonalicious macht sich Gedanken
- Und Lisa ist sauer
- Happy Schnitzel fasst die unterschiedlichen Reaktionen zu #aufschrei zusammen: Besser spät als nie: Die Sexismus-Debatte 

 

Kommentare:

  1. Zum Seminar-Beispiel: Musste gerade darüber nachdenken ob es in so einer Situation eigentlich notwendig ist, wenn mensch es anspricht, es als Sexismus zu definieren? Denn so ein Buzzword löst natürlich wirklich gleich schnell auf allen Seiten Bohei aus.
    Im Ende geht es doch darum einfach zu signalisieren das mensch eine Handlung des anderen unangemessen fand? Ob jetzt aus Sexistischen oder anderen Gründen ist da ja vielleicht zweitrangig?

    So senkt es auch die Schwelle sich in so einer Situation zu beschweren, mensch selber hat aber trotzdem auch das Gefühl etwas gesagt zu haben, und nicht nur einfach die Situation weggelächelt?

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    1. In der Seminar-Situation und um überhaupt etwas zu sagen, finde ich es auch ok, das Buzzword "Sexismus" nicht zu erwähnen. Hauptsache, mensch macht überhaupt deutlich, dass das nicht ok war. In anderen Situationen und unter Menschen, die ich besser kenne, würde ich aber versuchen, deutlich mehr zu sagen.

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  2. Die Situationen im Dunkeln kennen wir denke ich alle und ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass ich jemals alleine in der Nacht unterwegs war, ohne mich unsicher zu fühlen und das Telefon und das Pfefferspray griffbereit zu halten. Manchmal laufe ich mit dem Telefon in der Hand und habe schon die 110 eingegeben. Als ich vor Jahren einmal einem Freund davon erzählte, dass ich seit frühester Kindheit Angst davor habe, irgendwann mal sexuell missbraucht/vergewaltigt zu werden, war er ehrlich überrascht. Ihm war gar nicht bewusst, mit welchen Ängsten sich Frauen* täglich beschäftigen. Und die "kleinen" Übergriffe im Alltag sind vielen noch weniger bewusst. Die meisten Frauen* haben sie selbst schon einmal erlebt und stumpfen irgendwann ab – auch weil andere diese Übergriffe als lächerlich abtun. Es ist toll und wichtig, dass jetzt in vielen Blogs und auf Twitter Aufmerksamkeit für das Problem geschaffen wird.

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  3. Also das Thema um Reiner Brüderle als Aufhänger funktioniert einfach nicht. Man hat wohl genug Beispiele das jeder Mann in den Medien ebenso gleich vorverurteilt wird, wenn es um dieses Thema geht und das nicht erst seit Kachelmann. Man ist gleich der Sexualstraftäter, das Monster, der böse böse Mann und damit muss man echt aufpassen, weil genau dann das passiert was dein Kumpel die geschrieben hat. Es kann und darf nicht sein das man in den banalsten Situation, wo es schon reicht nur als Mann anwesend zu sein, sich wie ein Täter fühlt, obwohl man nur aufm weg zur Party ist etc.
    Zugegebener Maße kann kein Mann wirklich abschätzen wie es für eine Frau ist alleine in ner Stadt unterwegs zu sein, das weiß ich auch erst seit dem ich ne Freundin, wegen solch einer Geschichte, immer begleitet habe. Daher finde ich den Artikel auch eigentlich ziemlich gut. Aber das Fazit darf nicht sein, dass die Geschlechter nicht mehr miteinander Kommunizieren, weil die Frau Angst hat vor ner Belästigung etc., und der Mann Angst vor ner Anzeige, Rufmord hat. Wenn das deine Intention sein sollte wäre das mega traurig und zeigt einiges an Verbitterung. Man sollte immer erstmal das Gute von einem Menschen erwarten, und nicht wie du es predigst das Schlechte. Was glaubst passiert wenn du mit so einem "Eisenketterpanzer a la Quatsch mich nicht an" durch die Gegend läufst ? die 99% der netten Männer quatschen dich nicht an, keine Sorge. Die 1%, die kranken Freaks, Stalker und Lustmolche lassen sich von sowas nicht beeindrucken. Du Filterst dir das leider selber raus und das ist nun wirklich nicht repräsentativ für alle anderen. Natürlich gibt es diese Männer und dagegen sollte man so hart vorgehen wie es nur geht, aber nicht dem Fazit deiner Textes. Sonst fand ich ihn Prima :)
    P.s Zu meiner Person um mich nicht hinter nem "Anonym" zu verstecken: 22 Jahre, Männlich, aus Berlin.

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    1. Danke :). Ich kommuniziere gern. Aber nicht in allen Situationen. Es gibt durchaus Situationen, in denen ich mit niemandem sprechen möchte, auch nicht mit Frauen. Ein guter Lesetipp in diese Richtung ist folgendes: http://highoncliches.wordpress.com/2012/05/17/wie-verhalte-ich-mich-moglichst-nicht-wie-ein-arsch/

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    2. So eine klassische Antwort. "Man sollte immer erstmal das Gute von einem Menschen erwarten, und nicht wie du es predigst das Schlechte. " Du hast überhaupt nicht gelesen, worum es geht. Wenn man als Frau so schön naiv imemr das Gute erwartet, wird man belästigt und betatscht. Hast du nicht verstanden, dass man diese Erfahrung als Frau teilweise JEDEN TAG macht?
      Und auch das Totschlagargument: "Ja, aber wie soll die Menschheit sich denn weiter fortpflanzen, wenn nicht mehr jeder Mann jede Frau immer belästigen darf, wann er will?" ist kompletter Unsinn. Wieviele Paare lernen sich kennen, weil er sie auf der Straße angesprochen hat? Wenn man Kontakt sucht, begibt man sich in dafür vorgesehene Situationen wie Parties oder in Bars. Wenn ich Straßenbahn fahre, will ich irgendwo hin, und bin nicht auf Partnersuche.
      " Es kann und darf nicht sein das man in den banalsten Situation, wo es schon reicht nur als Mann anwesend zu sein, sich wie ein Täter fühlt, obwohl man nur aufm weg zur Party ist etc" Ach. Aber Frau darf den ganzen Tag in Angst verbringen, das ist völlig okay? Bullshit.

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    3. @ LaGrande danke für den Link,
      @ Tori, mein Beileid aber wie ich schon sagte man bekommt das zurück wie man sich gibt. Das ist in allen Situationen so. Das "Totschlagargument" zwecks Fortpflanzung habe ich nicht gebracht und ist eher mittelmäßig bis gar nicht relevant. Wenn du als Frau den ganzen Tag in Angst verbringst, dann ist erstmal einmal dein falsches Denkmuster, ein psychisches Problem und nicht der böse Mann in der Straßenbahn neben dir. Ich meine ändern kann ich hier mir den Comments niemanden mehr aber überlege mal ob du wirklich weiter so leben willst, in ständiger Angst und Vorurteilen. Jeder Mann ist ein Sexbessesenes Monster ? Von mir aus ja, aber Glücklich wird man mit so einer Einstellung nicht.

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    4. Ich kenne Frauen, die diese Erfahrungen nicht jeden Tag machen, daher würde ich an dieser Stelle erst mal Ursachenforschung betreiben, anstatt die eigenen Erfahrungen zu verallgemeinern.

      Ich kenne ein Paar, das sich kennengelernt hat, indem er sie in einem Imbiß (also keiner Lokalität zur Partnersuche) angequatscht hat. Ich weiß nicht, wie schlimm das für sie gewesen ist, aber nachdem sie inzwischen 5 Jahre zusammen sind, hab ich da eine gewisse Vermutung.

      Und nein, ich werde nicht die Straßenseite wechseln, nur weil eine Frau in der Nähe sich von mir verfolgt wähnen könnte. Ich bin nämlich meist zu sehr mit meinen Gedanken beschäftigt, um überhaupt wahrzunehmen, daß da überhaupt andere Menschen in der Nähe sind, geschweige denn ihre Geschlecht. Wenn mich das bereits zu einem Sexisten macht, dann muß man sich nicht wundern, wenn das Problembewußtsein für Sexismus klein bleibt.

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    5. Das macht dich nicht gleich zu einem Sexisten. Das habe ich auch nicht behauptet. Aber es zeigt zumindest eine gewisse Empathielosigkeit. Der Tipp, nachts (!) die Straße zu wechseln, ist an die gerichtet, die nachvollziehen können, welche Gefühle dies bei Nicht-Tun in der Frau auslöst. Es ist ein Tipp für den Kumpel, der mich fragte, was er tun könne.

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    6. Das Thema Straßenseite wechseln möchte ich gerne ad absurdum führen: Was tut der Mann, wenn auf beiden Straßenseiten Frauen laufen, und er keiner folgen möchte?
      (geschrieben von: Christina, weiblich, 29, Mannheim)

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    7. Da hast du natürlich nicht ganz Unrecht :). Allerdings ist mensch, wenn auf der anderen Straßenseite jemand läuft, auch nicht mehr allein und fühlt sich automatisch sicherer.

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    8. Das heißt, du würdest von mir als Mann erwarten, dass ich die Straßenseite wechsle, weil du sonst Angst hättest/weil ich das tun muss, wenn ich nachvollziehen kann, dass du dich sonst belästigt fühlst? Und ich darf Frauen nicht ansprechen, wenn sie mich davor nicht wohlwollend angeblickt haben? Das ist genauso Sexismus wie blöde Sprüche von Männern. Du vorverurteilst alle Männer, weil sie Männer sind. Wenn du nicht belästigt werden möchtest (zu Recht), dann möchte ich aber bitte auch nicht vorverurteilt werden.

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    9. Ich erwarte das nicht von einem Mann, aber ich finde gut, wenn er so empathisch ist, dass er es tut, weil ihm bewusst ist, dass das für mich eine unangenehme Situation ist.
      Du kannst gerne Frauen ansprechen, nur solltest du dann checken, ob sie mit dir sprechen will oder nicht. In gewissen Situationen möchte ich persönlich einfach nicht angesprochen werden, that's it. Wenn es trotzdem jemand macht, egal ob Mann oder Frau, signalisiere ich schnell, dass ich keine Lust darauf habe. So einfach ist das.

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  4. Interessantes Thema.
    Verdrängt man als Mann ja öfters mal, wie es wohl auf eine Frau wirkt, wenn man Abends der einzige ist, der an der selben Station mit aussteigt und den selben Weg nehmen muß.
    So ein -ich bin der Stalker-Feeling hatte ich auch einmal.
    Und dabei bin ich nicht irgend so ein Gruseltyp. Kam mir nur so vor.

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  5. Guter Artikel, mit vielen richtigen Punkten. Aber ganz ehrlich wuerde ich mir ziemlich bekloppt vorkommen wenn ich jedes Mal die Strassenseite wechsle wenn nachts eine Frau vor mir herlaeuft. Aber ich verstehe schon was du meinst. Wenn Nachts irgendein Typ "Kleiderschrank" hinter mir laeuft fuehle ich mich auch nicht gerade wohl.
    Aber mir geht es um etwas anderes, du schreibst du traegst gerne Oberteile mit Ausschnitt. Jetzt geht es mir persoenlich so das ich mich immer wieder dabei erwische meinem Gegenueber mal kurz in eben diesen zu schauen. Eigentlich hoffe ich dass das nicht als sexistisch gesehen wird, aber mich wuerde mal interessieren wie deine Meinung dazu ist. Ab wann wird der gelegentliche Blick in den Ausschnitt unangenehm? ... Sorry wenn das jetzt schon sexistisch und rechtfertigend klingt, aber mir faellt keine bessere Formulierung ein.

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    1. Ich trage Ausschnitt. Du schaust hin. Ganz normaler Vorgang. Unangenehm wird es, wenn du länger schaust, als es für einen kurzen Augenblick "normal" ist. Noch unangenehmer wird es, wenn Mimik oder gar Sprüche dazu kommen. Von anfassen kann natürlich nicht die Rede sein ;).

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  6. Was mich immer wieder stört an solchen Beschreibungen von Situationen, dass Frauen glauben nur sie wären davon betroffen.

    Als ich jung war, bin ich auch fast immer mit Angst im Dunkeln unterwegs gewesen. Wenn ich eine Gruppe gesehen habe, habe ich oft die Strassenseite gwechselt. Diese Bedrohung kommt von Leuten die Macht auspielen wollen, egal ob gegen Frauen oder Männer. Sie nutzen dabei Mittel, mit denen sie andere verletzen oder verängstigen können.

    Letztlich dürften auch die Anzahl der Männer, die Nachts auf ihrem Nachhauseweg verprügelt werden, deutlich größer sein. Und dabei geht es nicht nur um einen seelischen Angriff, eine gebrochene Nase oder Kiefer, Kopftraumta und Hämotome am ganzen Körper, sind noch die harmloseren köperlichen Verletzungen. Auf der Strasse totgeprügelt, werden ausschließlich Männer.

    Auch wenn ich Altherrenwitze und Zoten zum kotzen finde und diese Geschichte der Piraten unwürdig, ist die Bedrohung auf der Strasse für Männer sicher nicht kleiner als für Frauen. Und die Ursachen dafür liegen nicht in einem Sexismus. Das ist Menschenverachtung.

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  7. Das ist so ein verdammt schwieriges Thema...
    Wo ist die Grenze? Was darf ich als Mann und was nicht? Und vor allem bei wem? Die eine Frau fühlt sich von einem zufällig gestreiften Blickkontakt schon vergewaltigt, die andere geht sogar mit Grapschern locker um.
    Was zählt noch als Kompliment und was ist bereits beleidigend? Ist das nicht absolut individuell?
    Auch das Alter der Beteiligten spielt eine große Rolle finde ich. Würdest du dich als erwachsene Frau von einem (sagen wir mal 13/14-jährigen) Jungen, der seine neuen Gefühle und Wahrnehmungen noch gar nicht im Griff hat und dir auf die Brüste starrt wirklich dermaßen belästigt fühlen? Oder fängt das erst bei 20 an?

    Bei deinen ersten beiden Beispielen bin ich hin und her gerissen. Fakt ist aber: 1. ich war nicht dabei 2. ich stecke nicht in deiner Haut und habe gar kein Recht mich da irgendwie zu äußern.

    Dein drittes Beispiel finde ich mit Abstand das schlimmste. Ich finde es NICHT schlimm, dass ein Mensch einen anderen Menschen im vorbeigehen anschaut. Ich finde es NICHT schlimm wenn ein Mensch plötzlich seine Meinung zu seiner Laufrichtung ändert und einem anderen Menschen hinterherläuft.
    Was ich aber unglaublich schlimm finde ist die Tatsache, dass ein Mensch davon ausgehen muss, dass ein anderer Mensch ihm etwas böses antun will. Das eine Frau überhaupt auf den (leider berechtigten) Gedanken kommt, dass der Mann ein Vergewaltiger sein könnte und nicht etwa sein Handy zuhause vergessen hat und zufällig umdreht. Ständig mit diesem "jeder Unbekannte könnte mir Gott-weiß-was antun"-Gefühl durch die Welt laufen zu müssen, das ist wirklich schlimm und traurig.

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    1. "Wo ist die Grenze?" - Das ist natürlich wirklich schwierig. Eine schöne Anregung habe ich heute auf Twitter gelesen: Wenn du dich fragst, ob du das jetzt sagen darfst, überleg, ob du es auch sagen würdest, wenn deine Großmutter neben dir stünde. Ich für meine Person, erkläre meinem Gegenüber fast immer, dass er/sie eine Grenze überschritten hat. Das können aus diversen Gründen aber leider nicht alle Frauen.7
      "Würdest du dich als erwachsene Frau von einem (sagen wir mal 13/14-jährigen) Jungen, der seine neuen Gefühle und Wahrnehmungen noch gar nicht im Griff hat und dir auf die Brüste starrt wirklich dermaßen belästigt fühlen?" - Nein. Ich nicht. Es mag aber andere geben, denen es anders geht.

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  8. Firstly, please excuse my writing this comment in English, but while I am able to understand German perfectly well, I feel that I am not able to express myself as eloquently as I would like in my foster tongue. Hopefully, you can still understand me.

    While I agree with you that sexism is alive and well in our time, I would first preface this by stating that it has gotten better, even in the last 20 years. I am a women, who has also experienced sexist/uncomfortable situations. But I have to disagree with your final conclusions of tips for guys on how to behave. That they should not be "an idiot," that they should cross the street and not walk faster than a women in order to not make her have fear. Why is it not fair to ask for the woman to cross the street if she feels uncomfortable? The assumption that every guy on the street is a potential perpetrator is also sexist by its very definition and forcing someone to take on special behavior just because of his gender can be argued as sexist as well.

    In English there is a saying "you can't have cake and eat it too," it literally means you can either have your piece of cake in front of you or you can eat it but then it is gone and you can't have both at the same time. What I am rambling on about is that if you are against sexism for women you should not be putting it onto men.

    This English saying about the cake also applies to your statement regarding your fashion sense. You start out by saying that you like to wear tight clothing that show of your figure and that you even like being shall we say "appreciated" in it, but only by the right people. I know that in your blog you made the distinction between short glances (which you deem as appropriate) and creepy stares (inappropriate). But my question to you is how do you define creepy? I would argue that the same type of look would be deemed appropriate by you if it came from an attractive guy, whose attention you wanted versus an ugly or repulsive guy, in other words I bet that you are not objective in your assessment of the type of look you get. Unfortunately, there is no way to keep only the good looking guys being able to see you in your cute/sexy outfit and unfortunately you will probably get stares from both groups. I would even wager that you are also getting plenty of looks from women as well, but that you are not as aware of this set of the population as you are of the males. So it is up to you to decide whether you want to receive looks from everyone or from no one.

    I am not defending the creepy guys that stare at you, but I think that has more to do with the rules of etiquette that they learned and women are probably just as guilty of this behavior too. For example, when you travel to eastern European countries people stare at you unabashedly and it is acceptable in their culture.

    In conclusion, I think sexism is relevant today, but I disagree with your conclusions. You can't combat sexism against one gender by stereotyping the other and to state that "no guy can imagine what you go through on a daily bases" seems to me excessive. I am a women, who is reasonably attractive and yet don't have this impression in life and if you assume every male that you meet to only want to do you harm then it seems to me these guys also don't have it easy and you probably wouldn't like it in their shoes either.

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    1. Thank you for your comment. Because of your saying, that you are able to understand German well, I will answer in German. So it will be easier for my readers to understand the answers. :)

      "The assumption that every guy on the street is a potential perpetrator is also sexist by its very definition and forcing someone to take on special behavior just because of his gender can be argued as sexist as well." - Ich unterstelle nicht jedem Mann ein potenzieller Täter zu sein. Aber er muss sich bewusst sein, dass es eine unangenehme Situation sein kann, wenn er nachts hinter eine Frau herläuft. Natürlich ist es sexistisch jedem Penisträger zu unterstellen, er könnte ein Täter sein. Das war auch gar nicht meine Intention. Ich wollte bloß mein eigenes, individuelles Empfinden erläutern.

      "I would argue that the same type of look would be deemed appropriate by you if it came from an attractive guy, whose attention you wanted versus an ugly or repulsive guy, in other words I bet that you are not objective in your assessment of the type of look you get." - Auch bei attraktiven Männern empfinde ich ein Starren oder gar dumme Sprüche als unangemessen. Das erkläre ich ihnen dann auch, so wie ich bei jedem Mann versuche, zu erklären, dass mir diese Situation unangenehm war. Ich glaube aber, dass Männer schon ganz gut wissen, wann sie eine Grenze überschreiten.

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  9. Wow, du hast offensichtlich nen psychisches Problem und Schuld hat der Mann. Das ist kein Sexismus, sondern das abfeiern von Vorurteilen. Der Typ hinter mir kann,mich ja nur vergewaltigen wollen, sonst hätte er keinen Penis. Dir würde eine Therapie helfen, keine Debatte über Sexismus. Und solange Frauen wie du beim Anblick eines Mannes Zeter und Mordio schreien, solange werden die wirklichen sexistischen Probleme bagatellisiert.

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    1. Wow und du scheinst mich und meine Psyche ziemlich gut zu kennen. Außerdem scheinst du kein Leseverständnis zu haben, denn sonst hättest du gemerkt, dass ich NICHT denke, jeder Mann hinter mir würde mich vergewaltigen. Sondern, dass ich nur beschreibe, dass in so einer Situation ein Unwohlsein entstehen kann und wie der Mann, wenn er sich dem bewusst ist, es verhindern kann. Sollte ein Kommentar in diese Richtung noch einmal kommen, werde ich ihn ohne Anmerkung löschen.

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    2. Ah, andere Meinungen passen also nicht. Naja, hab ich nicht anders erwartet. Aber ich verrat dir mal ein Geheimnis: Sexismus funktioniert in beide Richtungen. Sexismus bedeutet, Vorurteile über eine Person zu haben aufgrund ihres Geschlechts. Und wenn du nicht in der Lage bist, tagtäglich deinen Hausflur zu durchqueren, weil du dich dermaßen in deine Vorurteile hineinsteigerst, dann ist dass nicht nur paranoid, sondern auch genau dass, gegen dass du glaubst dich aufzulehnen. Dafür muss ich keine Tiefenanalyse deiner Psyche betreiben um das aus einem so plakativen und einseitigem "Artikel" herauszulesen.

      Und nochmal: Wenn Frauen wie du "Sexismus" bei jeder noch so absurden Situation schreien, ist es kein Wunder, wenn die wirklichen sexistischen Probleme in unserer Gesellschaft nicht ernst genommen werden. Wenn es für dich ein Problem ist, durch deinen Hausflur zu gehen, dann liegt dass nicht an der sexistischen Gesellschaft, sondern lediglich an deinen übertriebenen Ängsten, in die du dich hinein zu steigern scheinst.

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    3. Ich habe nie geschrieben, ich hätte "Probleme durch meinen Hausflur zu gehen". Du kennst mich nicht und hast offensichtlich nicht einmal meinen Text vernünftig gelesen. Wer bestimmt denn, was "wirklich sexistische Probleme sind"? Du? I don't think so. Und ja: Wenn mir andere Meinungen unangenehm sind und ich sie als bescheuert empfinde, darf ich sie löschen, das hier ist schließlich mein Blog.

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  10. Du schreibtst:

    "Ich trage gern kurze Kleider, Röcke und Shirts mit Ausschnitt. Ich fühle mich wohl, wenn mich jemand kurz oder bewundernd anschaut. Das Wohlfühlen hört auf, wenn Menschen das als Einladung zum Starren oder gar Reden aufnehmen. Ich weiß, dass ich gute, große Brüste habe und ich möchte nicht darüber sprechen. Zumindest nicht mit dir."

    Das bedeutet ja, dass du die Röcke und Ausschnitte ja nicht ganz ohne Hintergedanken trägst, denn KURZES Hinschauen gefällt dir ja offensichtlich. Längeres Hinschauen oder mehr möchtest du aber nicht. Jetzt muss ich aber schon mal fragen: Woher soll denn ein Mann wissen, wo deine individuelle Grenze liegt?? Manche Frauen mögen vielleicht nicht mal kurzes Hinschauen, und machen ist vielleicht nicht mal Gaffen unangenehm! Wie soll denn das genau funktionieren?

    Und weiter:

    "Sprich mich nicht an, wenn ich dich weder angucke, noch irgendwie sonst Interesse signalisiere."

    Stell dir doch mal vor, wie das wäre, wenn jeder Mensch diese Regel verinnerlichen würde. Das wäre das Ende jeder Kommunikation...

    Bernd

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    1. "...denn KURZES Hinschauen gefällt dir ja offensichtlich. Längeres Hinschauen oder mehr möchtest du aber nicht. Jetzt muss ich aber schon mal fragen: Woher soll denn ein Mann wissen, wo deine individuelle Grenze liegt?? Manche Frauen mögen vielleicht nicht mal kurzes Hinschauen, und machen ist vielleicht nicht mal Gaffen unangenehm!" Männer sind ja nicht hilflose, dumme Menschen. Ich glaube, dass die meisten schon ganz gut einschätzen können, wann eine Grenze überschritten ist. Kurzes Hinschauen ist für mich ok (ich giere aber nicht danach). Ich für meinen Teil mache einen Spruch, wenn es mir zu viel wird.

      "Stell dir doch mal vor, wie das wäre, wenn jeder Mensch diese Regel verinnerlichen würde. Das wäre das Ende jeder Kommunikation..." Nein. Wenn ich keinerlei Interesse an einem Gespräch signalisiere (egal ob mit Frau, Mann oder anderen Geschlechtern!), dann möchte ich auch nicht angesprochen werden. Ganz einfach. Das ist mein persönliches Empfinden und auch hier gibt es sicherlich Menschen, die das anders sehen. Trotzdem findet in meinem Leben noch sehr viel Kommunikation statt, keine Angst.

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    2. ''"Sprich mich nicht an, wenn ich dich weder angucke, noch irgendwie sonst Interesse signalisiere."

      Stell dir doch mal vor, wie das wäre, wenn jeder Mensch diese Regel verinnerlichen würde. Das wäre das Ende jeder Kommunikation...''

      Das ist doch völliger quatsch. Gute lange und interessante Gespräche mit fremden Menschen beginnen nicht mit einem aufgezwungenes anbrabbeln, sondern die erste Kommunikation beginnt mit einem non-verbalen Gespräch mit den Augen! Das sollte man schon im Kindergarten gelernt haben. Das ist das einfachste was man in der Empathie lernen kann. Also wenn man schon das nicht hinbekommt dann sehe ich schwarz....

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    3. Kurz oder lang definiert sich hier in erster Linie darüber, wie attraktiv oder begehrenswert der "Täter" ist. Während bei einem unattraktiven (+ auf andere Arten unzureichenden) Mann schon beim geringsten Blick Worte wie Creep, Sexismus und Vergewaltiger rausgeholt werden, werden attraktive Männer da natürlich sofort anders bewertet, denn die können ja nicht auch noch die Bösen sein.

      Wenn also manchen Frauen schon kurzes Hinsehen zu viel ist, dann sollten Männer also telepathische Fähigkeiten entwickelt um dann einfach zu merken, bei wem man kurz vom Boden hinaufschauen darf und bei wem nicht. Klingt hochgradig absurd? Ist es auch, ist aber genau was du forderst.

      Und die einzige Möglichkeit als Mann ist es dann wohl, zuhause zu bleiben, damit man nicht aus Versehen die Gefühle oder die unbekannten Grenzen einer weiblichen Person verletzt. Denn sonst wird man ja schon Täter, nur dadurch, dass man geboren wird. Und genau darum geht es euch ja.

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    4. 1. Ich habe bereits mehrmals erwähnt, dass es bei Sexismus oder Belästigung keinen Unterschied macht, ob der Mensch attraktiv und jung ist oder nicht.
      2. Selbst wenn dem so wäre, entscheidet immer noch die Frau/bzw. das Gegenüber, wann welche Grenzen bei ihr überschritten sind. Verrückt, aber das ist so.

      Wenn du dich allerdings nicht benehmen kannst und bei dir jedes Gespräch gleich in einer Verletzung der Gefühle endet, dann, ja dann wäre es wohl besser du bleibst einfach zuhause.

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  11. Zu diesen Bahn Situationen: Erstmal, ich war nicht dabei aber irgendwie weis ich nicht ob du da nicht ein bisschen viel reininterpretierst. Mir als Mann ist es auch schon passiert das ich mich an einer Haltestange festgehalten habe und das Mädchen neben mir (war noch zu Schulzeiten) umgefallen ist und ich sie mit der freien Hand aufgefangen habe, wo ich sie dabei festhalten habe war dann doch eher zweitrangig mit einem "Alles klar" war dann für mich auch das Ganze wieder gegessen, genauso wie ich auch schon eben in ein Mädchen reingefallen bin, da war für mich in dem Moment auch nicht so wichtig wo genau ich mich festhalte, ich will das nicht verharmlosen wenn es jemand drauf anlegt aber es gab da doch mehrere solche Situationen und für mich war das nie eine sexuelle Sache.

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    1. Ich stand an der Tür und habe mich an der Haltestange festgehalten. Der Mann hat bewusst seine Hand über meine gelegt. Ich war klein und meine Hand deshalb sehr weit unten an der Stange. Als ich versuchte, sie rauszuziehen, hielt er sie fester und grinste. Ich denke nicht, dass ich da zu viel reininterpretiert habe.

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  12. doch! das ist Verharmlosung. Genau darum geht es doch. Wir sollen nicht zuviel reininterpretieren. Aber es ist schon komisch, dass diese Männer ( es sind natürlich nicht alle) sich genau auf den Brustwarzen abstützen müssen? Ich habe bei dieser Beschreibung zustimmend genickt, denn ich habe solche Situationen ebenso schon erlebt. Und unterstellt uns nicht, wir wüssten nicht den Unterschied zwischen Antatschen und sich irgendwo festhalten? Wenn jemand in der U-Bahn fällt und sich festhält, dann sucht er reflexartig eine Schulter oder ähnliches zu greifen. Er sucht nicht die Brustwarzen.
    Ich habe eine solche Situation das erste Mal mit 17 in der Metro erlebt. Ein Mann berührt zuerst meine eine Brustwarze, ein paar Minuten später die andere. ICH dachte damals auch, ich habe mir das eingebildet. NEIN, habe ich nicht. In der Zwischenzeit habe ich es so oft erlebt.

    Das Eine sind die Situationen, die wir erlebt haben.
    Das Andere sind Menschen, die das noch verharmlosen.
    Deswegen ist es ja so wichtig, dies mal aufzuschreiben.

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  13. Ich möchte eine Frage stellen. Ich muss dazu sagen, dass ich neu in der Sexismus-Debatte bin und vielleicht noch nicht alles richtig verstanden habe und daher möglicherweise Anfängerfehler mache.

    Die Frage ist folgende: Beschreibt nicht der folgende Satz ein sexistisches Verhalten? "Es geht darum, dass ich im Zug meine Sitznachbarn sofort abchecke und versuche in eine Art Gefahrensystem einzuordnen."

    Nach dem was ich bisher verstanden habe, wird ein "taxierender" oder "abschätzender" Blick durchaus als Sexismus gewertet. Der oben stehende Satz beschreibt aber genau ein solches, abschätzendes Verhalten, bei dem die "Willigkeit" des potenziellen Sitznachbarn abgeprüft wird. Dieses Verhalten könnte vielleicht als "defensiver Sexismus" beschrieben werden. Gibt es so etwas?

    MfG..

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    1. Ich kann in diesem Fall nur für mich sprechen. Ich schreibe selbst, dass es sehr oberflächlich von mir ist, Mitmenschen im Zug sofort einzusortieren in eine Art "Gefahrensystem". Mein Kopf macht das automatisch. Das ist, wie gesagt, oberflächlich und abschätzig, aber nicht sexistisch. Ich prüfe denjenigen nicht auf seine "Willigkeit", sondern darauf, ob ich demjenigen vertrauen kann oder nicht.
      Einen taxierenden Blick von einem Mann empfinde ich zuallererst auch nicht sexistisch. Für mein persönliches Empfinden wird es unangenehm, wenn er sein Gesehenes dann unpassend kommentiert oder in eine Art Starrverhalten verfällt.

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    2. Danke für die Antwort. Alles Gute...

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  14. Liebe Ninia LaGrande, vielen Dank für den Eintrag. Zwar bin ich ein Mann und habe solche Erfahrungen selbst nicht gemacht, aber ich glaube, ich verstehe, worauf du hinauswillst. Und natürlich geht es nicht bloß um Brüderle.

    So! Und jetzt der eigentliche Grund für meine Antwort. Das, was sich hier an Kommentaren zum großen Teil wieder gekommen ist, das ist so typisch und so laaangweilig!!!! Wie lange gibt es das Thema schon?!? Wie lange wird darüber schon diskutiert?!? Warum bekommt fast jede Bloggerin, die das thematisiert, solche Reaktionen? Mit einer solchen Regelmäßigkeit? Können wir Männer damit nicht einfach mal aufhören?!? Ninia LaGrande, lass dich nicht unterkriegen!

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  15. "Situation zwei: Ich fahre, mal wieder, Straßenbahn. Diesmal in Bremen. Die Straßenbahn bremst scharf. Der alte Mann vor mir fällt fast um und stützt sich wie zufällig an meinen Brüsten ab. Und ich bin auch noch so nett, dass ich mir Sorgen um ihn mache und ihn wieder hinstelle. Erst im Nachhinein ist mir aufgefallen, wie unangenehm das war."

    Hat er sich dann noch entschuldigt? Mir ist was ähnliches passiert als ich meinen Sonderschuh für meinen Gipsfuß hatte... aber ich hab die Frau dann 1028931 Mal um Entschuldigung gebeten, was in so einer Situatio nur angebracht ist!

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  16. Wow! Ich empfinde das ganze Thema als total schwierig! Die Situation im Seminar ist eine, die mich persönlich total geschockt hätte wäre ich an deiner Stelel gewesen. Die anderen Situationen, die du beschreibst, hätten mich wohl nicht so getroffen. Daran erkennt man schon, dass es jede und jeder anders auffasst.

    Ich persönlich kann auch nachts alleine durch die Straßen gehen ohne mich zu ängstigen. Nicht immer, aber ich muss sagen, dass ich gemerkt habe, dass das bei mir persönlich von meiner Laune und Stimmung generell abhängt. Da wird eigentlich klar, dass das Emfpinden nicht von äußerem abhängt. (Villeicht sieht das bei anderen Personen anders aus). Wenn hinter mir ein Mann hergeht, ist mir das total egal, ob er die Straßenseite wechselt oder nicht, wenn ich gerade verängstigt bin, dann auch wenn er die Straßenseite wechselt. Wenn ich gerade ohne Angst unterwegs bin, dann auch, wenn er hinter mir her geht.
    Ich mag übrigens Gespräche mit fremden Menschen und fühle mich meist auch nicht bedrängt. Ich unterhalte mich gerne auf einer längeren Bahnfahrt oder im Supermarkt oder sonstwo. Wenn mir gerade nicht danach ist, kann ich doch imemrnoch sagen, dass ich gerne meine Ruhe haben möchte und 99,99% der Personen lassen einen daraufhin in Ruhe.
    Also anprechen darf mich gerne jeder überall.

    Was nicht geht, ist nach einer Abfuhr weitermachen und noch beleidigend oder sexuell werden. Was auch nicht geht, ist fremde Menschen einfach anfassen. Einen Klaps auf den Hintern oder Anfassen an der Brust geht gar nicht!

    Schade an der Aufschrei Aktion finde ich, dass irgendwie alles in einen Topf geworfen wird, also von harmlosen Sprüchen oder gar Blicken bis hin zu Vergewaltiung und da besteht meiner Meinung nach ein großer Unterschied.

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    1. Hallo Miria, ansprechen darf man mich im Prinzip auch jederzeit, wenn ich vorher durch einen Blick oder Lächeln angedeutet habe, dass ich "dazu bereit" bin. Auf Bahnfahrten o.ä. unterhalte ich mich auch ab und gerne mal. Aber eben nur, wenn ich Lust dazu habe. Habe ich die nicht, versuche ich höflich zu bleiben und nur ganz kurz zu antworten. Leider muss man es wahrscheinlich so wie du machen und ganz deutlich sagen, dass man jetzt seine Ruhe haben will, sonst checkt der andere Mensch es ist ;).

      "Schade an der Aufschrei Aktion finde ich, dass irgendwie alles in einen Topf geworfen wird, also von harmlosen Sprüchen oder gar Blicken bis hin zu Vergewaltiung und da besteht meiner Meinung nach ein großer Unterschied." - Absolut! Das finde ich auch etwas schade, lässt sich aber bei so einem Wust an Erlebnissen nicht vermeiden. Ich hoffe, dass sich dies in der Debatte in den nächsten Wochen ein wenig ändern wird.

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