2016-12-14

ICH LACHE, ICH BIN SCHWANGER, ICH HABE BLASENSCHWÄCHE.

Es gibt ja Dinge bei einer Schwangerschaft, über die redet niemand. Diese Sache mit der Pinkelei, zum Beispiel. Ich muss quasi durchgängig auf die Toilette. Ich könnte dort auch einfach einziehen, oder mir zumindest einen kleinen Tisch vor die Schüssel stellen, um Artikel direkt vor Ort fertigstellen zu können. Ich trinke ja auch viel mehr. Vorher hab ich immer viel zu wenig getrunken. Ich war eine von denen, die sich zwingen mussten, eineinhalb Liter Flüssigkeit täglich zu sich zu nehmen. Ich hatte einfach nie Durst. Manchmal habe ich mich nachmittags gefragt, woher diese Kopfschmerzen kommen und dann fiel mir ein, dass ich das letzte Mal morgens einen Kaffee getrunken hatte (was ja nicht so richtig zählt). Jetzt also muss das mehr sein und da achte ich drauf. Mein Körper ist völlig überfordert. So viel Flüssigkeit! Wohin damit? Am besten schnell wieder rausleiten.

Wenn ich das Haus verlasse, gehe ich nochmal auf Toilette, egal, ob ich gerade muss oder nicht. Nach zehn Minuten außer Haus denkt mein Körper: Oh! Jetzt kann sie gerade gar nicht auf's Klo, jetzt senden wir Signale, dass sie dort aber ganz dringend hin muss. Es ist furchtbar. Und wenn ich dann auf dem Klo hocke und mich entleert habe, dann denke ich: Fertig. Ich mache Dinge, die alle so machen, abwischen, anziehen, Hände waschen, trallala und dann! Pustekuchen! Irgendwo zwischen Abwischen und Hände waschen kommen dann doch nochmal ein paar Tröpfchen hinterher. In meinem Kopf quatscht die dusselige Kuh aus der Werbung: "Ich lache, ich niese, ich habe Blasenschwäche." (Ich verstand da anfangs übrigens immer: "Ich lache, ich lese, ich habe Blasenschwäche." Und fragte mich, wieso jemand beim Lesen Urin verliert.) Und ich gehe verzweifelt ein zweites Mal auf die Toilette, um danach ein neues Höschen anzuziehen. Ja, das ist alles schlimm. Aber es ist eben auch nur Pipi und ich hätte mir diesen Text gewünscht, bevor ich in der Yogaschule aus Versehen ein kleines Pfützchen auf den Boden gemacht habe und mich in Grund und Boden schämte. Meine Beckenbodenmuskeln sind super. Allein aus egoistischen Orgasmus-Gründen habe ich diese schon vorher regelmäßig trainiert. Die Hebamme sagt: "Das ist normal. Manchmal denkst du auch, du musst und dann kommt nix. Die Gebärmutter drückt auf die Blase. That's just it." Und ich denke: Macht trotzdem keinen Spaß.

Nicht nur, dass ich den ganzen Tag damit beschäftigt bin, meine Klogänge zu organisieren. Innerhalb von einer Woche erzählen mir verschiedene Personen, wie mein kugeliger Bauch gerade auf sie wirkt. Von "ach, man sieht ja noch fast nix" bis "wow, dafür bist du aber schon ziemlich rund" (von einem sicherlich schwangerschaftserfahrenen Mann! Ironie off.) ist alles dabei. Meine Frauenärztin sagt: "Ihr Bauch ist perfekt, so wie er ist." Sie ist super. Sie sagt auch Dinge, wie: "Ich weiß, was die Leute denken, wenn sie Sie sehen. Muss das sein? So klein und dann auch noch vermehren?" Ich liebe sie dafür. Sie erzählt mir übergriffigen Müll, den ihre Tochter sich anhören muss, weil sie ebenfalls eine Eigenschaft hat, die nicht alle haben. Und ist bei den Ultraschallbildern immer fast ein bisschen emotionaler als ich selbst.

In der Zwischenzeit hat der Mann ganz andere Sorgen. Er hat zwei Hobbies. Abends immer eine Folge "Bares für Rares" in der Mediathek schauen. Und Otter. Der Mann kennt jedes Ottervideo in diesem verdammten Internet. Könnte man Otter zuhause halten, hätten wir wahrscheinlich zehn Stück. Vor einigen Tagen gestand er mir, dass er sich Sorgen mache, das Kind könnte Otter nicht mögen. Da wurde mir klar, dass meine ganzen Sorgen (Wie mache ich das mit der Selbstständigkeit? Werden wir genug Geld haben? Wird das Kind 1 gechillte Person?) völlig nebensächlich sind. Das sind die eigentlichen Dinge, um die man sich Gedanken machen sollte! Wir waren uns aber schnell einig, dass das Kind Otter schon mögen wird. Wie kann man Otter nicht mögen?

Ein Tipp, für alle, die sich auch mal richtig schlimm fühlen wollen: Kauft euch mit Schwangerschaftsbauch einen Burger und Pommes bei einer der bösen großen amerikanischen Ketten und lauft dann mit der Tüte herum. Stattdessen könntet ihr euch auch eine brennende Zigarette zwischen die Finger klemmen. Macht fast keinen Unterschied. Und tatsächlich! Ich habe den Burger und die Pommes auch gegessen. Einfach, weil ich Bock drauf hatte. Vermutlich habe ich den Geschmackssinn des Kindes jetzt für immer zerstört. Kann mir aber egal sein. Ich bin nämlich nicht die, die später für die Erbse kochen wird. Das macht der Mann, der kann das nämlich viel besser. Was für ein Glück! Sonst müsste ich nämlich einen dieser wertvollen Tipps aus diesen wirklich lesenswerten Mütterforen (Nein! Tut das nie! Niemals!) verwirklich: "Am besten kochst du für deinen Göga vor, kurz vorm Geburtstermin, und frierst die Sachen ein, damit er auch was essen kann, wenn du in der Klinik bist." Oh, na klar. Vielleicht lege ich ihm auch noch eine Anleitung für die Mikrowelle daneben. Sonst muss er den Scheiß auch noch kalt lutschen. Es ist alles sehr, sehr schwer.

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