2017-06-09

KOLUMNE: NA DANN, GUTE NACHT!

Seit einigen Wochen bin ich Kolumnistin der Familienseite des Redaktionsnetzwerkes Deutschland. Die Kolumne erscheint monatlich in verschiedenen Publikationen des RND: Neue Presse (Hannover), Märkische Allgemeine, Ostsee-Zeitung, Lübecker Nachrichten, Leipziger Volkszeitung, Lübecker Nachrichten u.a....
Etwas zeitversetzt werde ich den Text jetzt auch immer hier posten. Zur allgemeinen Erheiterung werde ich die Kolumne hier mit gifs anreichern. Da die erste Kolumne noch von der Zeit vor der Geburt erzählt und nun wirklich schon länger her ist, starte ich mit dem zweiten Text.

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Und von heute auf morgen wohnen wir in unserer Wohnung zu Dritt. Auf dem Rückweg vom Krankenhaus fällt mir das Kaninchen ein, dass der Mann und ich mal hatten. Sein Name war Heisenberg und er starb nach einem sehr kurzen Leben an Zahnwucherungen. Danach waren wir lange davon überzeugt, dass man uns lieber kein Lebewesen überlässt. Der kleine Mensch im Auto hat noch keine Zähne. Da kann also schon einmal nicht viel schiefgehen.

Ich war bis jetzt nie besonders begabt mit Babys. Das merke ich auch, als ich das erste Mal versuche, ihn ins Bett zu bringen. Die riesengroßen Augen starren mich an und scheinen zu fragen: „So, was soll ich jetzt machen, hier in diesem kleinen Bettchen?“ Auch nachdem ich dreiundfünfzig Mal ein- und dieselbe Strophe von „Lalelu“ gesungen habe, wackelt das kleine Köpfchen fröhlich hin und her – wach wie eh und je. Mehr Kinderlieder kann ich nicht auswendig. Ich bin wirklich schlecht vorbereitet auf dieses Babyding, denke ich. Tausend Kleidungsstücke habe ich gekauft, Windeln im Voraus gehortet und Bücher besorgt. Aber keine Kinderlieder auswendig gelernt. Also singe ich das, was ich kann: Achtziger-Jahre-Chartmusik. Bei der vierten Wiederholung von „Black Velvet“ schlummert das Baby sanft ein. „Up in Memphis the music's like a heatwave!“ Als ich meinen Erfolg stolz bei Facebook poste, werde ich darauf aufmerksam gemacht, bei der Liedauswahl sehr vorsichtig zu sein. Ein Vater kam dreieinhalb Jahre nicht drum herum, „Stille Nacht“ zum Einschlafen zu singen – nur, weil es das erste Lied war, was ihm damals eingefallen war.


Am nächsten Tag ist der Mann an der Reihe. „Singen!“, sage ich. „Sing ihm was vor.“ Er schaut mich an. „Sonst sagst du sogar in der Kirche, ich möge die Klappe halten und jetzt soll ich ihm was vorsingen? Was denn überhaupt?“ „Bei mir funktionieren die Achtziger gut“, antworte ich. „Gut, dann mache ich mit dem nächsten Jahrzehnt weiter“, sagt er und dreht sich zum Beistellbettchen. „I’m a barbie girl, in a barbie woooohooorld!“ klingt es sehr, sehr tief durch das Schlafzimmer. Dem Baby ist’s egal, es schlummert ein. Ob aus Müdigkeit oder Verzweiflung kann es ja – Gott sei Dank – noch nicht kommunizieren.

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